| Report |
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| Nie Bereut Mireille Seibt (33) mit ihrer behinderten Tochter Millane (fast 2), "Eine Abtreibung wäre für mich niemals in Frage gekommen" |
| Früherkennung in der Schwangerschaft |
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"Mein behindertes Baby sollte leben" |
| Die Entscheidung für oder gegen ein behindertes Kind ist die schwerste, die Eltern treffen müssen. Im vergangenen Jahr trieben 3 271 Frauen aus medizinischen Gründen ab. Andere bekommen das Baby... |
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Ein Bild das unser Herz berührt. Eine junge Frau liegt im Gras. Vor ihr, auf einer sonnenschein-gelben Decke, ein Baby. Große Kulleraugen, Glück pur, vielleicht 4 oder 5 Monate alt. Doch die Idylle täuscht. Millane ist bereits zwei Jahre... Das Mädchen müsste größer sein, sprechen und laufen können. "Trotzdem: Wir sind so glücklich, dass Millane bei uns ist", sagt Mireille Seibt (33) aus Görlitz. "Und wir wussten ja schon während der Schwangerschaft, dass unser Kind behindert ist..." In der 14. Woche wurden am Kopf Zysten festgestellt Noch vor der Schwangerschaft hatte sie sich mit ihrem Mann Andreas (33) informiert. Denn in der Familie von Mireille Seibt gibt es eine erbliche Knochenwachstumsstörung, an der ihre beiden Geschwister leiden. "Die Ärzte haben gesagt, dass die Chancen 50 zu 50 stehen, dass unser Kind diese Behinderung haben wird. Wir wünschten uns so sehr ein zweites Kind. Das Risiko wollten wir eingehen - auch weil die Wachstumsstörung gut zu behandeln ist. Und schließlich ist Bianca auch kerngesund." Doch bei einer Routine-Untersuchung in der 14.Schwangerschaftswoche wurde etwas anderes entdeckt: Zysten am Kopf des Embryos. "Damals hieß es noch, sie würden vielleicht wieder |
verschwinden." Alle zwei Wochen musste Mireille Seibt zur Ultraschallunter-suchung. "Aber die Zysten wurden immer deutlicher. Und der Verdacht auf eine Behinderung erhärtete sich" Die Diagnose des Spezialisten: "Ihr Kind hat einen Wasserkopf." Da war Mireille Seibt in der 29. Woche. *** Der Wasserkopf (Hydrocephalus genannt) kann angeboren sein ( ca. 6 Fälle bei 1000 Geburten oder als Folge von Entzündungen, Blutungen, Schädel-Hirn-Verletzungen, Infakten oder Tumoren auftreten. Beim Neugeborenen gibt der wachsende Schädelknochen dem gesteigerten Druck von zu viel Hirnflüssigkeit nach. Der Kopfumfang nimmt zu. Wird nicht behandelt, kann es zu geistigen Entwicklungsstörungen kommen. *** Zuerst waren wir sehr geschockt. Dabei habe ich nicht so sehr an mich gedacht, sondern an mein Kind, daran, wie es vielleicht leiden muss", sagt Mireille Seibt. Sie fing an, im Internet zu recherchieren. Die Informationen halfen. Denn: "Ich habe erfahren, dass man diese körperliche Behinderung behandeln kann. Das hat mir Hoffnung gegeben." Eine Abtreibung wäre für die Eltern nie in Frage gekommen. "Wir hatten vorher genug Zeit, uns mit dem Thema Behinderung auseinander zu setzen. Wir hatten kein Recht,im Nachhinein Auslese zu betreiben." |
*** Eine Behandlung des Hydrocephalus mit Medikamenten ist nicht möglich. Deswegen wird bei einer Operation ein künstlicher Abfluss der Hirnflüssigkeit in ein anderes Organsystem geschaffen. Am häufigsten ist die Ableitung in die Bauchhöhle oder in den rechten Herzhof. *** Ein Spezialist aus dem Görlitzer Krankenhaus riet der werdenden Mutter zu weiteren Untersuchungen, um andere Behinderungen auszuschließen. "Er hat mich förmlich überrollt mit der Fruchtwasser-untersuchung. "Damit es kein Mongo wird" hat er gesagt - eiskalt und total unsensibel. Das hat mich erschreckt." *** Eine Fruchtwasser-untersuchung kann ab der 14. Woche gemacht werden. Dabei wird mit einer dünnen Nadel die Fruchthöhle punktiert und 12 bis 15 Milliliter Fruchtwasser entnommen, das einige Zellen des Fötus enthält. Diese werden auf Chromo-somenschäden untersucht. In einem von 200 Fällen kann es zu einer Fehlgeburt kommen, weil durch den Stichkanal Fruchtwasser ablaufen kann. *** Bevor sie der Untersuchung zustimmte, wollte Mireille Seibt Informationen über die Gefahren haben. |
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"Ich konnte nur denken: Du sollst leben, mein Baby" "Ich hatte Angst, mein Kind dabei zu verlieren. Aber als ich den Arzt gefragt habe, hat er nur gesagt:" Mein liebes Mädchen, was ist Ihnen lieber:dieses Risiko oder die lebenslange Belastung durch ein behindertes Kind?" Wir sollten auch mal an das Geld und den Aufwand denken, den ein behindertes Kind die Gesellschaft kostet. Diese Sätze werde ich nie vergessen, weil sie so ungeheuerlich waren. Ich war total fertig. So redet man doch nicht über ein Baby, das ein Recht auf Leben hat." Trotzdem stimmt sie der Untersuchung zu. "Währenddessen, konnte ich nur eins denken: "Du sollst leben, mein Baby." Bis ich die Ergebnisse hatte, vergingen zwei qualvolle Tage." Dann wusste sie, dass kein genetischer Defekt vorlag. Nach dieser Erfahrung wechselte Mireille Seibt den |
Glückliche Familie "Unsere Millane macht zwar nur langsam Fortschritte. Aber über jede kleine Verbesserung freuen wir uns riesig. Sie ist schon viel beweglicher als früher"
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Recht auf Leben "Manche Leute haben mich bewundert, andere haben mich dagegen voller Mitleid behandelt" |
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| Arzt, ging in die Unikliniken
nach Berlin und Dresden. " Mit diesem eiskalten Klotz wollte ich nichts
mehr zu tun haben." Auch die Reaktionen ihrer Bekannten waren Unterschiedlich: Viele bewunderten Mireille und ihren Mann Andreas (33) für ihre Entscheidung, das Baby zu bekommen. "Andere hatten immer so einen mitleidigen Ton, haben sich kaum getraut, uns auf das Thema anzusprechen. Schrecklich - ich wollte nicht wie eine Kranke behandelt werden " Zunächst waren auch ihre Eltern skeptisch. " Aber eher weil sie dem Kind die Qualen ersparen wollten." Bei ihrer Freundin Anja fand Mireille Seibt immer Trost: "Da konnte ich mir meine Sorgen einfach mal von der Seele reden." |
Am 01. Juli 2001 wurde
Millane geboren. Doch der Wasserkopf war nicht ihre einzige Behinderung:
"Einen Monat nach der Entbindung wurde ein Balkenmangel festgestellt. Das
bedeutet, dass die Verbindung zwischen rechter und linker Gehirnhälfte
kaum vorhanden ist - oder ganz fehlt. Wegen der Wasseransammlung im Kopf
hatte das Gehirn irgendwann aufgehört zu wachsen", erinnert sich Mireille Seibt. Die Folge: Niemand konnte sagen, welche Behinderung "Ich durfte nicht aufgeben: Ich wollte meinem Kind helfen." das kleine Mädchen wirklich haben wird. " Vieles war möglich, die |
Ärzte konnten kaum eine Prognose abgeben. Erst
da habe ich erfasst, dass unser Kind nicht nur körperlich, sondern auch
geistig behindert sein könnte", sagte Mireille Seibt. " Das war wie ein
Schlag ins Gesicht. Mein Mann und ich sind zusammengebrochen, haben nur
noch geheult." Ein Gedanke gab ihnen jedoch Kraft: " Ich wollte meinem
Kind alle Hilfe geben, die es braucht." Nach und nach stellte sich heraus, dass Millane kaum sehen und hören kann. Sie hat Entwicklungs-verzögerungen, Schwierigkeiten beim Schlucken, ist spastisch gelähmt. Millane darf keine Minute allein sein. Deshalb arbeitet Mireille Seibt nach dem Babyjahr nur noch halbtags. Sie muss viel organisieren, damit die Kleine immer eine Betreuung hat. |
In der ersten zeit ging sie
mit ihr zu vielen Therapien: Blindenförderung, Physiotherapie und einmal
im Monat für zwei Tage nach Berlin. "Ich setze mich und Millane nicht mehr unter Stress" "Das war für uns alle sehr anstrengend. Heute setze ich mich und sie nicht mehr so unter Druck", sagt Mireille Seibt. Vormittags bringt sie Millane für vier Stunden in die heilpädagogische Tagesstätte. Da ist sie mit anderen Kindern zusammen. "Und ich habe mal Zeit für mich. Meine Eltern unterstützen uns. Das Wichtigste aber: Millane zeigt uns jeden Tag, dass sie leben will. Das gibt mir die Kraft." Rebekka Fischer |
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Artikel aus Laura Nr.26 vom 16.Juni 2003 |
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wurde uns von Mireille Seibt geschickt |
| Mail an Mireille Seibt: mireille@m-a-seibt.de |
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