Nützliche Infos zum Antrag auf Pflegegeld

 

1. Pflege und Pflegestufen

SGB 11 § 14 Begriff der Pflegebedürftigkeit

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§15) der Hilfe bedürfen.

(2) Krankheiten oder Behinderungen im Sinne des Absatzes 1 sind:

  1. Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,
  2. Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane,

  3. Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.


SGB 11 § 15 Stufen der Pflegebedürftigkeit

(1) Für die Gewährung von Leistungen nach diesem Gesetz sind pflegebedürftige Personen (§ 14) einer der folgenden drei Pflegestufen zuzuordnen:

  1. Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
     
  2. Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
     
  3. Pflegebedürftige der Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

! Achtung - Pflegebedarf in der Nacht muss im Pflegetagebuch dokumentiert werden!

(2) Bei Kindern ist für die Zuordnung der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend.

(3) Der Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt

  1. in der Pflegestufe I mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen,
  2. in der Pflegestufe II mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen,
  3. in der Pflegestufe III mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen.


an dieser Stelle eine Zusatzerklärung für pflegebedürftige Kinder, weil es immer wieder zu Irritationen um die hauswirtschaftliche Versorgung und damit um die notwendige Gesamtpflegezeit kommt.

Im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung gilt nach den Richtlinien der Pflegekassen:
 

Bei kranken oder behinderten Kindern bis zum vollendeten 8. Lebensjahr gilt der Zeitbedarf für die hauswirtschaftliche
Versorgung als erfüllt, wenn neben den Übrigen in § 15 Abs. 1 SGB XI genannten Voraussetzungen der Pflegestufen
I bis III ein über dem eines gesunden gleichaltrigen Kindes liegender hauswirtschaftlicher Versorgungsbedarf z. B.
beim Kochen, Spülen, Wechseln oder Waschen der Wäsche bzw. Kleidung nachgewiesen ist.

Bei Kindern im Alter zwischen dem vollendeten 8. und 14. Lebensjahr kann unter den genannten Voraussetzungen
in den einzelnen Pflegestufen ein bestimmter Anteil des zeitlichen Mindestwerts für den Hilfebedarf bei den hauswirtschaftlichen Verrichtungen unterstellt werden: In der Pflegestufe I 30 Minuten, in der Pflegestufe II und III
jeweils 45 Minuten.

Reichen diese zeitlichen Pauschalen zur Erfüllung der Voraussetzungen für die jeweilige Pflegestufe nicht aus,
müssen die jeweiligen zeitlichen Voraussetzungen durch einen Hilfebedarf bei Verrichtungen der Grundpflege
aufgefüllt oder ein konkreter zeitlicher Mehrbedarf bei den hauswirtschaftlichen Verrichtungen nachgewiesen werden.


Was heißt das für uns?

  1. Für Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr wird generell unterstellt, dass die notwendige Zeit für die hauswirtschaftliche Versorgung erfüllt ist, wenn hier ein Mehrbedarf nachgewiesen ist. Dieser Mehraufwand muss nicht so hoch sein , dass die für die jeweilige Pflegestufe notwendige Gesamtpflegezeit erreicht wird, es reicht 1 Minute. Wenn also der Zeitaufwand für die Grundpflege erfüllt ist, ist hier quasi auch die Gesamtpflegezeit erfüllt.
     
  2. Bei Kindern zwischen 8 und 14 Jahren wird pauschal für die hausw. Versorgung ein Hilfebedarf von 30 bzw. 45 Minuten anerkannt, wenn die Grundpflegezeit erfüllt ist. Ein Nachweis ist nur erforderlich, wenn mit dieser Pauschale die Gesamtpflegezeit nicht erreicht wird.

SGB 11 § 19 Begriff der Pflegepersonen

Pflegepersonen im Sinne dieses Buches sind Personen, die nicht erwerbsmäßig einen Pflegebedürftigen im Sinne des § 14 in seiner häuslichen Umgebung pflegen. Leistungen zur sozialen Sicherung nach § 44 erhält eine Pflegeperson nur dann, wenn sie eine pflegebedürftige Person wenigstens 14 Stunden wöchentlich pflegt.

SGB 11 § 44 Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegepersonen

(1) Zur Verbesserung der sozialen Sicherung der Pflegepersonen im Sinne des § 19 entrichten die Pflegekassen und die privaten Versicherungsunternehmen, bei denen eine private Pflege-Pflichtversicherung durchgeführt wird, sowie die sonstigen ....... Beiträge an den zuständigen Träger der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn die Pflegeperson regelmäßig nicht mehr als dreißig Stunden wöchentlich erwerbstätig ist....... Während der pflegerischen Tätigkeit sind die Pflegepersonen nach Maßgabe der §§ 2, 4, 105, 106, 129, 185 des Siebten Buches in den Versicherungsschutz der gesetzlichen  Unfallversicherung einbezogen.

! Wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, zahlt also die Pflegekasse Beiträge an die Rentenversicherung, die sich Renten steigernd auswirken; außerdem ist die Pflegeperson während der Pflege gesetzlich Unfall versichert!

Wer einen Angehörigen pflegt, sollte sich in jedem Fall darum kümmern, dass die Pflegekasse für sie/ihn Beiträge an die Rentenversicherung abführt. Die Pflegezeit steigert die Rente deutlich. Bei der Beitragsbemessung wird der Pflegende im Jahr 2005 so gestellt, als würde sie/er zwischen 644 und 1.932 Euro monatlich (alte Länder) beziehungsweise zwischen 541 und 1.624 Euro (neue Länder) verdienen. Ein Jahr Angehörigenpflege erhöht damit die spätere Rente - nach derzeitigem Stand - in den alten Bundesländern zwischen 6,83 und 20,49 Euro, in den neuen Ländern zwischen sechs und 18,00 Euro.
Wie viel die Pflegetätigkeit für die spätere Rente wert ist, hängt davon ab, in welcher Pflegestufe die Pflegebedürftigen eingestuft wurden und wie viel Stunden die Angehörigen oder Freunde der Betroffenen wöchentlich durch Pflege in Anspruch genommen werden.

Nur ein Beispiel:

Wohnort: neue Bundesländer; Pflegestufe3; Wöchentlicher Pflegeaufwand: mindestens 28 Stunden

Ergebnis:

zusätzliche Rente pro Monat und Jahr: 17,99 Euro
Entspricht zusätzlichem rentenversicherungspflichtigen Einkommen von: 1.624,00 Euro pro Monat

Aber Obacht!!

Hier lauern gleich mehrere Fallen, in die man einfach und ahnungslos hineintapst.

Beim Besuch des MDK wird so nebenher auch gefragt, wer denn die lieben Kleinen so wäscht und
füttert und wer sich sonst so um sie kümmert. Diese Frage ist eine gemeine Falle! Bei Ehepaaren ist Mutter oder Vater ja schnell geneigt, zu antworten "Mein Ehepartner unterstützt mich natürlich nach Kräften bei der Versorgung....... Für den MDK Anlass genug die Pflegezeit auf beide Ehepartner auf zu Splitten. Im Ergebnis kann es passieren, dass für jeden Einzelnen eine Pflegezeit unter 14 Stunden pro Woche ausgewiesen wird, so dass keine Beiträge an den Rentenversicherungsträger gezahlt werden müssen.
Also, eindeutig angeben, wer die ausschließliche Pflegeperson ist! Damit seid ihr auf der sicheren
Seite.
Zweite Falle: Die Pflegekassen rechnen gern mit falschen Werten. Lasst euch auf jeden Fall das
dem Pflegebescheid zugrunde liegende Gutachten des MDK zuschicken. Auf Seite 1 steht dort sehr klein und versteckt, wer die Pflegeperson ist und wie viel Stunden wöchentlich veranschlagt sind. Diese Zeit muss in der Summe mit dem Gesamtpflegeaufwand übereinstimmen. Um die Sache etwas undurchsichtiger zu machen, haben die Kassen hier verschiedene Zeitstufen erfunden, nach denen dann die Beitragsbemessung erfolgt. Diese Einstufung wird sehr gern falsch vorgenommen. Also kontrollieren!!!!!


SGB 11 § 33 Leistungsvoraussetzungen

(1) Versicherte erhalten die Leistungen der Pflegeversicherung auf Antrag. Die Leistungen werden ab Antragstellung gewährt, frühestens jedoch von dem Zeitpunkt an, in dem die Anspruchsvoraussetzungen
vorliegen. Wird der Antrag später als einen Monat nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit gestellt, werden die Leistungen vom Beginn des Monats der Antragstellung an gewährt.

SGB 11 § 37 Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen (Gemeint ist hier die Pflege durch die Eltern oder Angehörige, also unser eigentliches Thema !)

(1) Pflegebedürftige können anstelle der häuslichen Pflegehilfe ein Pflegegeld beantragen. Der Anspruch setzt voraus, dass der Pflegebedürftige mit dem Pflegegeld dessen Umfang entsprechend die erforderliche Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung in geeigneter Weise selbst sicherstellt. Das Pflegegeld beträgt je Kalendermonat:

1. für Pflegebedürftige der Pflegstufe     I 205 Euro,
2. für Pflegebedürftige der Pflegestufe  II 410 Euro,
3. für Pflegebedürftige der Pflegestufe III 665 Euro.

(3) Pflegebedürftige, die Pflegegeld nach Absatz 1 beziehen, haben

  1. bei Pflegestufe I und II einmal halbjährlich,
  2. bei Pflegestufe III einmal vierteljährlich



Eine Beratung in der eigenen Häuslichkeit durch eine zugelassene Pflegeeinrichtung oder, sofern dies durch eine zugelassene Pflegeeinrichtung vor Ort nicht gewährleistet werden kann, durch eine von der
Pflegekasse beauftragte, jedoch von ihr nicht angestellte Pflegefachkraft abzurufen. Die Beratung dient der Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege und der regelmäßigen Hilfestellung und praktischen.......

 

2. Mindestpflegezeiten

Hier noch mal vorab der Abzug, den die Gutachter des MDK für den Hilfebedarf nicht behinderter Kinder vornehmen:
 

Alter in Jahren 0 bis 1 1 bis 2 2 bis 3 3 bis 6 6 bis 12
Körperpflege 75 min 60 min 60 min 45 min 45 min
Mobilität 120 min 120 min
 
60 min 60 min 30 min
Ernährung 120 min 60 min 45 min 45 min 30 min
Grundpflege gesamt 315 min
(5 h 15 min)
240 min (4 h) 165 min (2h 45 min) 150 min (2h 30 min) 105 min (1h 45 min)

In der folgenden Übersicht habe ich die Mindestpflegezeiten für pflegebedürftige Kinder entsprechend der Altersgruppen und jeweiligen Pflegestufen eingestellt. Die genannten Zeiten sind Mindestzeiten für die Erlangung der Pflegestufen und sollten im Pflegetagebuch um etwa 10 % überschritten werden, da die Gutachter erfahrungsgemäß Abzüge vornehmen. Die Zeiten sind schon um den Abzug des Pflegebedarfs für ein gleichaltriges gesundes Kind bereinigt !!

Alter in
Jahren
Pflegestufen / Mindestpflegezeiten
in Minuten
   
 

Pflegestufe 1

Pflegestufe 2 Pflegestufe 3
  Gesamt davon
Grundpflege
Gesamt davon
Grundpflege
Gesamt davon
Grundpflege
 
0..........1 405 361 495 435 615 555
 
1..........2 330 286 420 360 540 480
 
2..........3 255 211 345 285 465 405
 
3..........6 240 196 330 270 450 390
 
6.........12 195 151 285 225 405 345
 

Für ältere Kinder wird angenommen, dass keine Pflegeaufwandszeiten für ein gleichaltriges gesundes Kind mehr zu berücksichtigen sind. Es gelten dann die Werte nach SGB 11 § 15. Allerdings ist es Fakt, dass auch schon bei 6jährigen und erst recht bei 7 bis 12jährigen inzwischen davon ausgegangen wird, dass der durch die Kassen abgezogene Wert für gleichaltrige gesunde Kinder viel zu hoch ist . Daher sollte man auch einen Antrag stellen, wenn die angegebenen Werte knapp unterschritten werden; gleiches gilt natürlich entsprechend für die Höherstufung bei Erreichen der Altersstufe.

 

3. Die Bestandteile der Pflege

Durch die mit der Begutachtung der Pflegebedürftigen befassten Stellen wurde die Pflege in bestimmte Bestandteile und diese wiederum in einzelne Verrichtungen aufgeteilt, um den Pflegebedarf besser beurteilen zu können


Mit der Praxis hat das wenig zu tun, zumal die Kriterien wohl mehr für erwachsene Pflegebedürftige ausgedacht wurden. Trotzdem muss diese Einteilung beachtet werden, wenn es um den Nachweis der Pflegebedürftigkeit unserer Kinder geht. Das Voranstehende Organigramm zeigt die Bestandteile der Pflege und die vorgeschriebenen Verrichtungen.

 

4. Die Verrichtungen und die Zeitkorridore

Zu den einzelnen berücksichtigungsfähigen Verrichtungen wurden Zeitkorridore entwickelt, die die Beurteilung vereinheitlichen sollen, die Gutachter sollen sich weitgehend an diesen Werten orientieren, so dass willkürliche Einschätzungen vermieden werden.

Allerdings gilt unabhängig davon:

"Für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einer Pflegestufe ist allein der im Einzelfall bestehende individuelle Hilfebedarf des Versicherten maßgeblich. Insofern können und sollen die Zeitkorridore für die Begutachtung nach dem SGB XI nur Anhaltsgrößen im Sinne eines Orientierungsrahmens liefern."

jede einzelne Verrichtung in der Pflege wird hinsichtlich der Form der Hilfeleistung durch die Pflegeperson unterschieden:

Formen der Hilfeleistung

vollständige Übernahme (VÜ)

Die Pflegeperson übernimmt die vollständige Durchführung. Die Pflegebedürftigen verhalten sich dabei passiv.
(Bei den Zeitkorridoren wurde vom Aufwand ausgegangen, die eine Laienpflegekraft für die "vollständige Übernahme" benötigt.)

teilweise Übernahme (TÜ)

Die Pflegeperson übernimmt Teile einer Verrichtung. Gründe können zum Beispiel sein...
... das Heben der Arme beim Waschen von Gesicht und Armen ist so erschöpfend, dass es für den Oberkörper nicht mehr reicht.
... zwar ist die Kraft vorhanden, aber die Konzentration eines Dementen reicht nicht aus, um die Verrichtung zu Ende zu führen.

Unterstützung (U)

Die Pflegeperson hilft im Umfeld der eigentlichen Verrichtung, die selbstständig ausgeführt wird.
Beispiele...
... es müssen die Waschutensilien zum Bett gebracht werden, damit sie der Pflegebedürftige selbstständig den Oberkörper waschen kann.
... es muss bei der Auswahl angemessener Kleidungsstücke geholfen werden, während das eigentliche Ankleiden selbstständig möglich ist.

Anleitung (A)

Die Pflegeperson muss zu einer einzelner Verrichtung anregen, muss sie kleinschrittig erklären oder demonstrieren, weil die Fähigkeit einen sinnvollen Ablauf einzuhalten fehlt. Es fällt auch in den Bereich
der Anleitung, wenn es nötig ist zur selbstständigen Durchführung immer wieder aufzufordern oder zu motivieren.

Beaufsichtigung (B)

Die Pflegeperson muss entweder die Sicherheit während der selbstständigen Durchführung einer Verrichtung gewährleisten (z.B. beim Umgang mit einem elektrischen Rasierapparat) oder es muss kontrolliert werden ob eine Verrichtung "ordentlich" durchgeführt wird (um z.B. eine "Katzenwäsche" auszuschließen). Dabei werden nur die Zeiten anerkannt, in denen die Pflegeperson "in gleicher Weise binden wie bei unmittelbarer personeller Hilfe"
Die folgenden Zeitkorridore gelten für die vollständige Übernahme (VÜ) der jeweiligen Verrichtung durch die Pflegeperson, bei allen anderen Formen wird der Gutachter in der Regel nur einen Anteil am Zeitaufwandanerkennen.

Wenn der Pflegende während des gesamten Vorganges einer Verrichtung zur Anleitung unmittelbar beim Pflegebedürftigen verbleiben muss, ist der gesamte Zeitraum dieser "Beaufsichtigung" im Sinne einer
vollen Übernahme seitens des Gutachters zu berücksichtigen."

! Wenn möglich gegenüber dem Gutachter und im Pflegetagebuch immer darauf verweisen,
dass die jeweilige Verrichtung vollständig übernommen werden muss.!

Außerdem gibt es noch eine Reihe von so genannten allgemeinen Erschwernis- und erleichternde Faktoren, die zur Überschreitung oder Unterschreitung der Zeitkorridore berechtigen.

"Allgemeine Erschwernis- und/oder erleichternde Faktoren haben auf den überwiegenden Teil der Verrichtungen/Unterverrichtungen Einfluss. Die nachfolgend beispielhaft aufgeführten Faktoren können die Durchführung der Pflege bei der Mehrzahl der gesetzlich definierten Verrichtungen erschweren bzw. verlängern:

Erschwernisfaktoren!!

  • Körpergewicht über 80 kg
  • Kontrakthuren / Einsteifung großer Gelenke
  • hochgradige Spastik
  • Hemiplegien oder Paraparesen
  • einschießende unkontrollierte Bewegungen
  • Fehlstellungen der Extremitäten
  • eingeschränkte Belastbarkeit infolge schwerer kardiopulmonaler Dekompensation mit Orthopnoe und ausgeprägter zentraler und peripherer Zyanose sowie peripheren Ödemen
  • Abwehrverhalten mit Behinderung der Übernahme (z. B. bei geistigen Behinderungen / psychischen
    Erkrankungen)
  • stark eingeschränkte Sinneswahrnehmung (Hören, Sehen)
  • starke therapieresistente Schmerzen
  • Pflegebehindernde räumliche Verhältnisse
  • zeitaufwendiger Hilfsmitteleinsatz (z. B. bei fahrbaren Liftern / Decken-, Wand-Liftern)

Die nachfolgend beispielhaft aufgeführten Faktoren können die Durchführung der Pflege bei der Mehrzahl
der gesetzlich definierten Verrichtungen erleichtern bzw. verkürzen:

erleichternde Faktoren!!

  • Körpergewicht unter 40 kg
  • Pflegeerleichternde räumliche Verhältnisse
  • Hilfsmitteleinsatz

 

! Erschwernisfaktoren in jedem Falle angeben, da sie zur Anerkennung von mehr Pflegezeit führen, erleichternde Faktoren niemals selbst angeben, sollen die Gutachter selbst herausfinden und belegen!!


Die Verrichtungen im Einzelnen:

Körperpflege

1. Waschen

  • Ganzkörperwäsche: (GK): 20 bis 25 Min.
  • Teilwäsche Oberkörper: (OK): 8 bis 10 Min.
  • Teilwäsche Unterkörper: (UK): 12 bis 15 Min.
  • Teilwäsche Hände/Gesicht: (H/G): 1 bis 2 Min.


Die Durchführung einer Intimhygiene zum Beispiel nach dem Toilettengang ist im Rahmen der Blasen und Darmentleerung entsprechend zu berücksichtigen und anzuführen.


2. Duschen

  • Duschen: 15 bis 20 Min.

Hilfestellung beim Betreten der Duschtasse, bzw. beim Umsetzen des Pflegebedürftigen zum Beispiel auf einen Duschstuhl, ist im Bereich der Mobilität "Stehen" zu berücksichtigen. Wenn bei dieser Verrichtung nur Teilhilfen (Abtrocknen / Teilwaschungen) anfallen, kann der Zeitorientierungswert nur anteilig berücksichtigt werden.


3.Baden

  • Baden: 20 bis 25 Min.


Eine Hilfestellung beim Einsteigen in die Badewanne ist im Bereich der Mobilität "Stehen" zu berücksichtigen. Wenn bei dieser Verrichtung nur Teilhilfen (Abtrocknen / Teilwaschungen) anfallen, kann der Zeitorientierungswert nur anteilig berücksichtigt werden.
--- neu seit 2002

"Zur Körperpflege zählt auch das Haare waschen. Es ist Bestandteil der Verrichtung Waschen/Duschen/Baden. Erfolgt das Haare waschen im Rahmen einer dieser Verrichtungen ist dies dort zu dokumentieren. Alleiniges Haare waschen ist der Verrichtung "Waschen" zuzuordnen und unter "Teilwäsche Oberkörper" zu dokumentieren.

Der notwendige zeitliche Hilfebedarf ist jeweils gesondert zu dokumentieren. Ein ein- bis zweimaliges Haare waschen pro Woche entspricht dem heutigen Hygienestandard. Maßgebend ist die medizinische bzw. pflegerische Notwendigkeit. Der Hilfebedarf beim Haare waschen umfasst auch die Haartrocknung."


4. Zahnpflege
 

  • Zahnpflege: 5 Min.

So weit nur Mundpflege erforderlich ist, kann der Zeitorientierungswert nur anteilig berücksichtigt werden.


5. Kämmen

  • Kämmen: 1 bis 3 Min.


6. Rasieren

  • Rasieren: 5 bis 10 Min.


7. Darm und Blasenentleerung


Nicht zu berücksichtigen ist unter diesen Verrichtungen die eventuell eingeschränkte Gehfähigkeit beim Aufsuchen und Verlassen der Toilette. Kann der Pflegebedürftige die Toilette nur deshalb nicht alleine aufsuchen, ist dies unter "Gehen" im Bereich der Mobilität festzustellen und zeitlich zu bewerten.
Spezielle Pflegeerschwerende Faktoren: massive chronische Diarröh, Erforderlichkeit der mechanischen Harnlösung oder der digitalen Enddarmentleerung.

  • Wasserlassen (Intimhygiene, Reinigen der Toilette bzw. des Umfeldes): 2 bis 3 Min.
  • Stuhlgang (Intimhygiene, Reinigen der Toilette bzw. des Umfeldes): 3 bis 6 Min.
  • Richten der Bekleidung: insgesamt 2 Min.
  • Wechseln von Windeln (Intimhygiene, Entsorgung) nach Wasserlassen: 4 bis 6 Min.
  • nach Stuhlgang: 7 bis 10 Min.
  • Wechsel kleiner Vorlagen: 1 bis 2 Min.

Beachte: Der im Rahmen eines Toilettentrainings erforderliche Windelwechsel ist von seinem zeitlichen Aufwand her in der Regel sehr viel geringer ausgeprägt als ein üblicher Windelwechsel, dem eine unkontrollierte und ungeregelte Harnblasen und Darmentleerung zugrunde liegt.

Wechseln/Entleeren des Urinbeutels: 2 bis 3 Min.

Wechseln/Entleeren des Stomabeutels: 3 bis 4 Min.

 

Anmerkung: Spezielle Formen der Blasen und Darmentleerung sind nicht katalogisiert, hier richtet sich der Bedarf nach den individuellen Erfordernissen ( Bsp. Einmalkatheterismus bei männl. Kleinkind 15 - 20 Minuten; mech. Entleerung des Enddarms oder mittels Irrigationspumpensystem 10 -15 Minuten); müßt ihr selbst einschätzen, es zählt wie gesagt der individuelle Bedarf, kein Gutachter kann euch das Gegenteil beweisen!!

Ernährung

8. Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung

Hierzu zählen nicht das Kochen oder das Eindecken des Tisches. Die Zubereitung von Diäten ist nicht hier, sondern unter der lfd. Nr. 17 "Kochen" zu berücksichtigen.

  • mundgerechte Zubereitung einer Hauptmahlzeit (einschließlich des Bereitstellen eines Getränkes): je 2 bis 3 Min.

So weit nur eine Zwischenmahlzeit oder ein Getränk zubereitet oder bereitgestellt werden, kann der Zeitorientierungswert nur anteilig berücksichtigt werden.


9. Aufnahme der Nahrung


Spezielle Pflegeerschwerende Faktoren: Schluckstörungen / Störungen der Mundmotorik, Atemstörungen. Essen von Hauptmahlzeiten einschließlich Trinken (max. 3 Hauptmahlzeiten pro Tag):

  • je 15 bis 20 Min.

Verabreichung von Sondenkost (mittels Schwerkraft/Pumpe inklusive des Reinigens des verwendeten Mehrfachsystems bei Kompletternährung): 15 bis 20 Min. pro Tag, da hier nicht Portionsweise verabreicht wird. So weit nur eine Zwischenmahlzeit bzw. ein Getränk eingenommen wird, kann der Zeitorientierungswert nur anteilig berücksichtigt werden."

Mobilität

10. Selbständiges Aufstehen und Zubettgehen

  • Die einfache Hilfe beim Aufstehen oder zu Bett gehen wird mit je 1 bis 2 Min. angerechnet.

  • Manche Menschen können ihre Lage im Stuhl, Sessel oder Bett nicht selbstständig verändern. Für das alleinige Umlagern werden im Bereich Mobilität 2 bis 3 Min. angerechnet.

  • Menschen mit Dekubitus brauchen häufiger Hilfe bei der Lagerung. Pflegewissenschaftlich wird empfohlen, alle zwei Stunden die Lage zu verändern. Diese Lageveränderungen müssen aber, damit keine neuen Wunden entstehen, besonders umsichtig vorgenommen werden. Liegt dieser spezielle Pflegeerschwerende Faktor vor, muss der Zeitaufwand individuell berechnet werden.

11. An- und Auskleiden

  • Muss jemand ganz von der Pflegeperson angekleidet werden, sind 8-10 Min. anzurechnen
  • (teilweises Ankleiden des Ober- oder Unterkörpers: 5 - 6 Min.).
  • Für das Entkleiden des gesamten Körpers gelten 5- 6 Min (teilweises Entkleiden des Ober- oder Unterkörpers: 2 - 3 Min.).

Prothesen, ein Korsett oder Kompressionsstrümpfe brauchen mehr Zeit. Dieser Aufwand ist individuell zu ermitteln.

Optimal Behinderungsadaptierte Kleidung gilt als spezieller Pflegeerleichternder Faktor und führt zu geringeren Zeitwerten.

12. Gehen

Zeitvorgaben sind, wegen der vielfältigen Wohnsituationen und der unterschiedlichen Belastbarkeit der Pflegebedürftigen nicht sinnvoll. Es wird aber nur der Zeitaufwand anerkannt, der zur Erledigung anerkannter Verrichtungen nötig ist (im Wesentlichen also zur Körperpflege, Ausscheidung oder Nahrungsaufnahme).

"Das Gehen, Stehen und Treppensteigen innerhalb der Wohnung ist nur im Zusammenhang mit den gesetzlich definierten Verrichtungen zu werten.
Fortbewegung beinhaltet bei Rollstuhlfahrern auch die Benutzung des Rollstuhls. Das Gehen im Zusammenhang mit der hauswirtschaftlichen Versorgung ist als hauswirtschaftlicher Hilfebedarf zu werten.
Der Gutachter hat den Zeitaufwand für das "Gehen" unter Berücksichtigung der in der Wohnung zurückzulegenden Wegstrecken und unter Berücksichtigung der Bewegungsfähigkeit des Pflegebedürftigen abzuschätzen. Als Maß für die Gehstrecke bei der einzelnen Verrichtung in der "durchschnittlichen häuslichen Wohnsituation" (vgl. Punkt 2.4) ist eine einfache Gehstrecke von 8 Metern anzunehmen."

13. Stehen

Dieser Teil des Regelwerks ist nicht leicht nachvollziehbar. Muss jemand vom Rollstuhl auf einen Toilettenstuhl wechseln und braucht dabei Hilfe, so geht er nicht. Er muss Aufstehen, sich drehen und dann auf den breitgestellten Toilettenstuhl setzen. Deshalb ein eigener Bereich in den BRi. Wie beim Gehen wird nur angerechnet, was im Zusammenhang mit anerkannten Verrichtungen passiert. Zum Beispiel die Transfers beim Duschen oder zum Essen. Es kann jeweils 1 Min. anerkannt werden.

14. Treppensteigen

Nur wenn es nötig ist, zur Durchführung der Verrichtungen des täglichen Lebens eine Treppe zu benutzen, muss für das Gutachten der Bewegungsablauf und der zeitliche Aufwand des Treppensteigens durch den Pflegebedürftigen und seine Hilfsperson demonstriert werden. Das Ergebnis ist zu dokumentieren und der ermittelte Zeitaufwand zu berücksichtigen.
"Das Treppensteigen im Zusammenhang mit der hauswirtschaftlichen Versorgung ist als hauswirtschaftlicher Hilfebedarf zu werten.
Das Treppensteigen beinhaltet das Überwinden von Stufen innerhalb der Wohnung. Keine andere Verrichtung im Bereich der Grundpflege ist so abhängig vom individuellen Wohnbereich des Antragstellers wie das Treppensteigen. Besonders ist zu prüfen, ob die Notwendigkeit besteht, für die Verrichtungen des täglichen Lebens eine Treppe zu benutzen. Ist dies nicht erforderlich, kann diese Verrichtung beim Pflegeumfang nicht berücksichtigt werden.
Sollte es notwendig sein, zur Durchführung der Verrichtungen des täglichen Lebens eine Treppe zu benutzen, so hat der Gutachter sich den Bewegungsablauf und den zeitlichen Aufwand des Treppensteigens durch den Pflegebedürftigen und seine Hilfsperson demonstrieren zu lassen und das Ergebnis seiner Beobachtung in seinem Gutachten zu dokumentieren.

15. Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung

Wege außerhalb der Wohnung können nur selten im Rahmen der Pflegezeitbemessung anerkannt werden.
Hier die wichtigste Textstelle aus den BRi dazu:
Anerkannt werden Wege zum "Aufsuchen von Ärzten zu therapeutischen Zwecken oder die
Inanspruchnahme vertragsärztlich verordneter Therapien, wie z. B. Dialysemaßnahmen, onkologische oder immun suppressive Maßnahmen." (BRi, S. 51) Hier geht es selbstverständlich auch nur um den zeitlichen Aufwand der Pflegeperson. Es ist möglich, dass nur der Weg zur Arztpraxis zeitlich anerkannt wird, weil in Warte- und Behandlungszimmer keine Hilfe nötig ist. Außerdem: Der Hilfebedarf muss "regelmäßig", also mindestens einmal in der Woche, anfallen. Wie schon so oft auf dieser Seite: der Hilfebedarf muss individuell ermittelt werden.


Es sind nur solche Maßnahmen außerhalb der Wohnung zu berücksichtigen, die unmittelbar für die Aufrechterhaltung der Lebensführung zu Hause notwendig sind und regelmäßig und auf Dauer anfallen und das persönliche Erscheinen des Pflegebedürftigen erfordern. Die Verkehrssicherheit ist zu beachten. Die Möglichkeit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und von Taxen ist einzubeziehen. Bei den anzuerkennenden Maßnahmen ist das Gehen, Stehen und Treppensteigen außerhalb der Wohnung zu berücksichtigen, sofern es den oben genannten Zielen dient.
Hierzu können das Aufsuchen von Ärzten zu therapeutischen Zwecken oder die Inanspruchnahme vertragsärztlich verordneter Therapien, wie z. B. Dialysemaßnahmen, onkologische oder immun suppressive Maßnahmen, gehören. Wird die ärztliche Behandlung bzw. therapeutische Maßnahme während eines sonst üblichen Aufenthaltes z. B. in einer Behinderteneinrichtung oder einem sozialpädiatrischen Zentrum erbracht, kann dieser Hilfebedarf nicht berücksichtigt werden. Nicht zu berücksichtigen ist das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung im Zusammenhang mit Maßnahmen der
- medizinischen Rehabilitation,
- Prävention,
- Eingliederungshilfe (einschl. Frühförderung).
Das Aufsuchen von Apotheken, Behörden oder anderen Stellen, die das persönliche Erscheinen des Antragstellers notwendig machen, ist zu berücksichtigen. Weitere Hilfen - z. B. die Begleitung zur Bushaltestelle auf dem Weg zu Behindertenwerkstätten, Schulen, Kindergärten oder im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit sowie bei Spaziergängen oder Besuchen von kulturellen Veranstaltungen - bleiben unberücksichtigt. Der Hilfebedarf beim Einkaufen ist unter der lfd. Nr. 16 "Einkaufen" mit zu berücksichtigen.
Neben den Fahrzeiten sind die zwangsläufig anfallenden Wartezeiten der Begleitperson anzurechnen, wenn sie dadurch zeitlich und örtlich gebunden ist. Generell kann hierfür eine Wartezeit von 30 bis 45 Minuten anerkannt werden. Bei Kindern kann die Notwendigkeit der Begleitung zum Arzt zur Durchführung therapeutischer Zwecke oder der Begleitung zur Inanspruchnahme vertragsärztlich verordneter Therapien vorausgesetzt und einschließlich der Wartezeit als Hilfebedarf berücksichtigt werden.
Das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung gilt als regelmäßig notwendig, wenn es mindestens einmal pro Woche anfällt. Notwendige Fahr- und Wartezeiten, die nicht täglich anfallen, sind für die Bemessung des zeitlichen Gesamtpflegeaufwandes auf den Tag umzurechnen."

Hauswirtschaftliche Versorgung:

hier muss nur ein Pflegebedingter Mehraufwand nachgewiesen werden, das sollte nicht schwer fallen. Maximal anrechenbar: Pflegestufe 1: 44 Minuten; Pflegestufe 2: 60 Minuten; Pflegestufe 3: 60 Minuten

16. Einkaufen

Umfasst auch den Überblick über den Lebensmittelbedarf und Genieß- / Haltbarkeit von Lebensmitteln und den Umgang mit Geld; ausschließlich der Aufwandsanteil für den Pflegebedürftigen!

17. Kochen

Mit Vor- und Zubereiten der Bestandteile der Mahlzeit; ausschließlich der Aufwandsanteil für den Pflegebedürftigen!

18. Reinigung der Wohnung

Beschränkt sich auf den allgemein üblichen Lebensbereich des Pflegebedürftigen.

19. Spülen

verwendetes Geschirr; sonst Küchengerät.......ausschließlich der Aufwandsanteil für den Pflegebedürftigen!

20.Wechseln/ Waschen von Kleidung und Wäsche

Umfasst die gesamte Wäsche- / Kleiderpflege (z.B. auch Bügeln, Ausbessern); ausschließlich der Aufwandsanteil für den Pflegebedürftigen!

21.Beheizen der Wohnung

Umfasst auch die Beschaffung und die Entsorgung des Heizmaterials; ausschließlich der Aufwandsanteil für den Pflegebedürftigen!

 

5. Das Pflegetagebuch

Das Pflegetagebuch ist schlichtweg das wichtigste Dokument für die Pflege, deshalb sollte es sorgsam und vollständig geführt sein. Alle Informationen werden hier zusammengefasst und durch die Eintragung der entsprechenden Zeitwerte hinterlegt.
Es gibt verschiedenste Vorlagen für Pflegetagebücher, jede Pflegekasse hat wohl einen eigenen Entwurf. Keine dieser Vorlagen müßt ihr verwenden!
hier habe ich meine Idee für ein Pflegetagebuch eingestellt. Einmal als leeres Formular und einmal ausgefüllt. Das ausgefüllte Tagebuch entspricht der Pflegedokumentation für ein männl, Kleinkind, Alter 2,5 Jahre; Spina bifida mit Hydrocephalus; ACM 2; neurogene Blase und Darm; unklares ret. Fieber.... Pflegestufe 3

 

 

Sehr empfehlenswert ist ein Zusatz zum Pflegetagebuch, wo ihr die Erschwernisse und besonderen Umstände bei der Pflege dokumentieren könnt. Könnte in etwa so aussehen:
 

Ergänzungen zum Pflegetagebuch

 
Für : Geb.-dat:
 

Es liegen die folgenden allgemeinen pflege - erschwerenden Faktoren vor:

 

Erschwernisfaktor

ja nein
Körpergewicht über 80 kg    
Kontrakturen / Einsteifung großer Gelenke    
hochgradige Spastik    
Hemiplegien oder Paraparesen    
einschießende unkontrollierte Bewegungen    
Fehlstellungen der Extremitäten    
eingeschränkte Belastbarkeit infolge schwerer kardiopulmonaler Dekompensation mit Orthopnoe und ausgeprägter zentraler und peripherer Zyanose sowie peripheren Ödemen    
Abwehrverhalten mit Behinderung der Übernahme
(z. B. bei geistigen Behinderungen / psychischen Erkrankungen)
   
stark eingeschränkte Sinneswahrnehmung (Hören, Sehen)    
starke therapieresistente Schmerzen    
pflegebehindernde räumliche Verhältnisse    
zeitaufwendiger Hilfsmitteleinsatz
(z. B. bei fahrbaren Liftern / Decken-, Wand-Liftern)
   
     
     

Es liegen die folgenden generell bedeutsamen Aspekte bei der Pflege vor:

Hier die Besonderheiten bei der Pflege eurer Kinder eintragen muss z.B. die Pflegeperson während einer gesamten Verrichtung zur Anleitung unmittelbar beim Pflegebedürftigen bleiben, dann ist der gesamte Vorgang als Volle Übernahme (VÜ) zu berücksichtigen, auch wenn der Pflegebedürftige dabei Teile der Verrichtung selbst erledigt!

Jetzt die ausgefüllte Variante:


 
 
 

Ergänzungen zum Pflegetagebuch

 
Für : Max Mustermann Geb.- dat.: 01.04.2003
 

Es liegen die folgenden allgemeinen pflege - erschwerenden Faktoren vor:

 

Erschwernisfaktor

ja nein
Körpergewicht über 80 kg   x
Kontrakthuren / Einsteifung großer Gelenke   x
hochgradige Spastik   x
Hemiplegien oder Paraparesen x  
einschießende unkontrollierte Bewegungen   x
Fehlstellungen der Extremitäten x  
eingeschränkte Belastbarkeit infolge schwerer kardiopulmonaler Dekompensation mit Orthopnoe und ausgeprägter zentraler und peripherer Zyanose sowie peripheren Ödemen   x
Abwehrverhalten mit Behinderung der Übernahme
(z. B. bei geistigen Behinderungen / psychischen Erkrankungen)
  x
stark eingeschränkte Sinneswahrnehmung (Hören, Sehen)   x
starke therapieresistente Schmerzen   x
Pflegebehindernde räumliche Verhältnisse   x
zeitaufwendiger Hilfsmitteleinsatz
(z. B. bei fahrbaren Liftern / Decken-, Wandliftern)
  x
     
     

Es liegen die folgenden generell bedeutsamen Aspekte bei der Pflege vor:

Es müssen aufgrund der Behinderung/ des Krankheitsbildes generell alle pflegerischen Verrichtungen voll übernommen werden. Max kann nicht selbständig sitzen, nicht stehen, nicht gehen und die Motorik des rechten Armes und der Hand ist stark reduziert. Es liegt eine nahezu komplette Lähmung der Hüfte und der unteren Extremitäten vor. Lars hat eine neurogene Blasen und Darmentleerungsstörung. Die Blase wird derzeit 5 mal, bei Bedarf auch öfter mittels Einmal katheterismus entleert. Die Darmentleerung erfolgt durch manuelles Ausräumen, unterstützt durch Gebrauch einer Irrigationspumpe.

Max kann sich nicht mitteilen, die sprachliche Entwicklung ist sehr zurückgeblieben. Er leidet unter Empfindungsstörungen, beispielsweise eine Überempfindlichkeit im Mundbereich, so dass die Nahrungsaufnahme sehr schwierig und zeitaufwendig ist. Er nimmt auch nur kleinere Portionen zu sich und muss daher öfter, auch nachts gefüttert werden, um einen Zuwachs zu erreichen bzw. einen Substanzverzehr zu vermeiden.

Aufgrund der Grunderkrankung sind zahlreiche fachärztliche Konsultationen, auch im nicht ortsnahen Bereich notwendig, daneben ist eine regelmäßige, mindestens 14tägige Betreuung durch Die Kinderärztin nötig, um den Urin Status zu überwachen und die Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln zu gewährleisten; zweimal wöchentlich Physiotherapie außer Haus; zweimal Frühförderung in der Wohnung.

Die Ausarbeitung haben wir vom Vater eines behinderten Kindes,
dem wir an dieser Stelle recht herzlich dafür danken möchten.
Bei Fragen könnt ihr eine Mail an folgende Adresse schicken:

Surffunny44@aol.com

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