Elektronische Kommunikationshilfen

Elektronische Kommunikationshilfen sind kein Allheilmittel, die sofort eine unbegrenzte Kommunikation ermöglichen. Sie sind nur so gut, wie die Anwenderin betreut und sein/ihr Wort­schatz gepflegt wird. Weiterhin sollten andere Hilfsmittel, wie z.B. Symboltafeln nicht in Vergessenheit geraten. Gerade eine laminierte Symboltafel kann eine wichtige Ergänzung zu einem elektroni­schem Hilfsmittel darstellen. Beispielsweise denke ich dabei an die Verwendung im Schwimmbad bzw. im Nassbereich.

Aber natürlich kann man mit einer Symboltafel niemanden rufen, der einen nicht anschaut oder dies gar nicht kann. Wohl aber kann man das mit einer elektronischen Kommunikationshilfe mit Sprach­ausgabe tun. Der Nutzerin wird die Möglichkeit gegeben, sich aktiv, allgemein verständlich sowie lautsprachlich am Geschehen in seiner Umwelt zu beteiligen. Hier geht es darum, etwas auszulösen, etwas selbst zu bestimmen, aktiv auf die Gestaltung der Umwelt einzuwirken, sich selbst zu erfahren im Umgang mit anderen. Das Seht meilenweit über das Äußern von Hunger und Durst hinaus obwohl es für viele Außenstehende bei oberflächlicher Betrachtung so aussehen mag. Das was ich sagen will ist. Kommunikationshilfsmittel eröffnen vielen Menschen mit schweren Behinderungen Lebenswelten an denen sie wachsen und an denen sie sehr viel Freude haben können.

 

 

Mit und ohne Sprachausgabe

Als elektronische Kommunikationshilfen werden eine Vielzahl von Hilfsmitteln bezeichnet. Um den weiten Begriff der "elektronischen Kommunikationshilfe" zu strukturieren, möchte ich diese in Geräte mit Sprachausgabe und in Geräte ohne Sprachausgabe unterscheiden. Geräte mit Sprachausgabe geben das, was die Nutzerin sagen möchte in Lautsprache aus, sie sprechen sozusagen für die Anwenderin. Bei diesen Hilfsmitteln kann zwischen natürlicher und synthetischer Sprachausgabe unterschieden werden.

Natürliche Sprachausgabe bedeutet, dass das, was gesprochen werden soll, vorher von einer Bezugsperson aufge­nommen werden muss. Beim Abrufen der Nachrichten erklingt dessen Stimme. Das hört sich recht natürlich an, daher der Name natürliche Sprachausgabe.

Bei der synthetischen Sprachausgabe hingegen erfolgt keine Speicherung von Tönen, sondern hier werden Nach­richten meist über eine Tas­tatur eingegeben und sozusagen als Buchstaben ge­speichert. Die Umwandlung von Schrift- in Lautsprache erfolgt im Moment des Abrufens der Nachricht. Die Lautsprache wird synthe­tisch erzeugt.

 

Elektronische Hilfsmittel können schon zur Kommunikationsanbahnung eingesetzt werden. Beispielsweise lassen sich mit einem Taster viele elektrische Spielzeuge, aber auch "richtige" Geräte wie Küchenmixer, Radio und Stehlampe ein- und ausgeschalten. Über das Betätigen ei­nes Tasters und die sieht-, hör- und/oder fühlbare Folge dessen, kann der direkte Ursache-Wirkungs-Zusammenhang hergestellt und erkannt werden.

Batteriebetriebene Geräte oder Spiel­zeuge werden dazu mit einem einfachen Batterieunterbrecher ausgestattet, der gekauft oder von vielen bastelbegabten Be­treuerinnen auch selbst hergestellt wer­den kann. Bei netzspannungsbetriebenen Geräten muss ein so genannter Netzschaltadapter zwischen Gerät und Steckdose geschaltet werden, an dem ein Taster angeschlossen werden kann. Als Taster kommen hier alle im Bereich elektronische Hilfsmittel angebotenen Modelle in Frage.

Wird auf dem Taster ein Symbol oder eine Zeichnung angebracht, kann damit seine Funktion verdeutlicht werden. Prinzipiell können diese Symbole selbst ent­worfen werden. Jedoch ist das in größe­rem Umfang und mit dem Ziel diese Einrichtungsintern konstant zu halten mit

angemessenem Aufwand, fast nicht möglich. Als Hilfe bieten sich schon vorhandene Symbol- und Bildersammlungen an. Diese liegen teilweise in Form eines Computerprogramms vor und sind damit leicht einzusetzen. Symboltafeln lassen sich in gewünschter Größe und Anzahl mit Hilfe der Programme einfach ausdrucken. Die Anschaffungskosten werden allein durch den Wegfall des mehrfachen Vergrößerns und Verkleinerns auf dem Kopierer in kurzer Zeit wieder wett gemacht. Und, wenn gewünscht, sind Farbdrucker immer noch preiswerter als Farbkopierer.

Mit der Anwendung eines einfachen Tasters ist zugleich ein möglicher Einstieg in die Nutzung von Kommunikationshilfen mit Sprachausgabe geschaffen. Mit Hilfe dieser Hilfsmittel kann eine Nachricht aufgenommen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerufen werden. Was darauf abgespeichert wird, ist natürlich völlig freigestellt. So kann das eine Aufforderung an die Betreuerin sein, mal herzukommen oder die persönliche Strophe für das Lied im Morgenkreis. Eine andere Möglichkeit habe ich in einer Schule für geistig Behinderte gesehen. Dort hängt ein Gerät vor der Küchentür und "sagt" auf Tastendruck, was es heute Leckeres zu essen gibt. Jeder kann damit den täglichen Speiseplan abrufen. Einsatzmöglichkeiten gibt es, besonders an Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung, viele.

 

Geduldiges Probieren

 

So unterschiedlich wie die Größe der Geräte und deren Funktionsumfang, ist auch die Anzahl der speicherbaren Nachrichten. Eine Vielzahl von ihnen besitzen Anschlüsse für externe Taster, die direkt die Funktion der eingebauten Tasten ersetzen, einige sind mit Scanning-Verfahren (ein meist automatisch laufender Leuchtpunkt "scannt" die Tasten ab, der Nutzer drückt in dem Moment eine angeschlossene Taste, in dem die gewünschte Nachricht durch den Leuchtpunkt markiert wird nutzbar. Welche Ausstattung notwendig ist, hängt hier von den Fähigkeiten der Nutzerin ab. Durch Scanning oder die Ansteuerung über einen Joystick lassen sich elektronische Hilfsmittel auch von Menschen mit schweren motorischen

Einschränkungen nutzen. Taster können mit Halterungssystemen individuell positioniert, und damit bedienbar gemacht werden. Wichtig dabei ist, dass eine optimale Position der Bedienelemente gefunden wird, die eine möglichst wenig anstrengende Steuerung des Gerätes ermöglicht. Das heißt: geduldiges Probieren mit oft feinsten Einstellungsänderungen und ständiges Kontrollieren der Position, auch wenn man glaubt, die beste Einstellung schon gefunden zu haben.

Die Nutzung elektronischer Kommunikationshilfen macht ein der Anwenderin entsprechendes individuelles Vokabular notwendig. Von Vorteil wäre hier eine Kommunikationshilfe, die einen unbegrenzten Wortschatz bietet. Diese Forderung wird im Grunde von schriftsprach-basierten Kommunikationshilfen mit synthetischer Sprachausgabe erfüllt. Mit ihnen kann die Anwenderin jedes ge­wünschte Wort schreiben und sprechen lassen. Das erfordert jedoch gute Kenntnisse der Schriftsprache.

Nutzerinnen von Kommunikationshilfen mit natürlicher Sprachausgabe sind auf das Vokabular angewiesen, dass auf dem Gerät lautsprachlich aufgenommen wurde. Hier möchte ich nachdrücklich auf die Verantwortung der Betreuungspersonen hinweisen. Derjenige, der eine Kommunikationshilfe benötigt, kann oft nur schwer seine Wünsche ausdrücken. Also muss herausgefunden werden was er oder sie wohl sagen möchte. Nur denkt man dabei allzu oft an sich selbst und stellt dementsprechendes Vokabular zur Verfügung. Wird Herr Hansen den Satz abspeichern: "Ich kann den Hansen überhaupt nicht leiden" ? Wir unterliegen der Versuchung das Vokabular zu speichern, das wir selbst gern hören würden.

Ebenso wichtig ist eine zur Person passende Stimme. Welches junge Mädchen möchte mit einer tiefen Männerstimme sprechen?

Eine kontinuierliche Betreuung stellt sicher, dass der Wortschatz fortwährend den Bedürfnissen der Nutzerin angepasst wird. Die anfänglich mit wenig Vokabular ausgestattete Kommunikationshilfe wird rasch differenziertere Ausdrucksmöglichkeiten bieten.

Wie wird nun das Vokabular abgerufen? Die Möglichkeit der Schriftsprache habe ich schon erwähnt. Nehmen wir an, das Gerät verrügt über acht Tasten. Jetzt kann über jede Taste jeweils eine Nachricht abgerufen werden. Macht acht Nachrichten. Auf jeder Taste ist ein Symbol angebracht, das die abzurufende Nachricht verdeutlicht. Das Gleiche er­gibt sich bei einem Gerät mit 48 Tasten analog dazu. Oft reichen diese (bleiben wir beim Beispiel) acht Nachrichten jedoch nicht aus. Um noch mehr unter diesen acht Tasten speichern zu können werden Tastensequenzen definiert. Der Nutzer muss zwei oder mehr Tasten nacheinander betätigen um die gewünschte Nachricht abzurufen. Ein Beispiel: bei acht Tasten ergibt sich bei Zwei-Tasten-Sequenzen eine mögliche Zahl von 64 gespeicherten Nachrichten, bei der Verwendung von Sequenzen aus mehr als zwei Tasten entsprechend mehr Möglichkeiten. Hierfür muss die Auswahl der Symbole sorgfältig geschehen, stehen sie doch, je nach jeweiliger Kombination mit anderen, für zum Teil sehr unterschiedliche Aussagen.

Eine weitere Möglichkeit der Codierung von Vokabular bieten Kommunikationshilfen mit dynamischem Display. Im vorangegangenen Absatz bin ich von festen Tasten auf der elektronischen Hilfe ausgegangen. Verstärkt erscheinen Geräte mit einer berührungsempfindlichen Displayoberfläche auf dem Markt. Dabei ist das Tastenfeld mit einem Display, vergleichbar mit denen von Notebooks, unterlegt. Die Tasten werden auf dem Display angezeigt. Hier ist es möglich das Vokabular in so genannten Ebenen zu organisieren. Nach Auswahl eines Symbols wird eine neue Tastfläche mit neuen Symbolen eingeblendet. So kann sich die Nutzerin Ebene für Ebene durch sein/ihr Vokabular bewegen, wobei in der letzten Ebene jedes Symbol für eine Aussage steht. Beide Varianten, statisch oder dynamisch, haben ihre Vor- und Nachteile. Entscheidend ist, dass für die jeweiligen Nutzerin die richtige Lösung gefunden wird.

Nähere Informationen erhalten sie in Beratungsstellen und bei Anbietern von elektronischen Hilfsmitteln. Informationen über Anbieter in Ihrer Nähe können sie über den "Bundesverband elektronische Hilfsmittel für Behinderte e.V." - BEH, in dem sich Fachhändler organisiert haben, erfragen. Dafür steht auch eine Internetseite des Verbandes unter www.beh-verband.de zur Verfügung.

 

 

Vor- und Nachteile elektronischer Hilfsmittel.

 

Beim Einsatz von elektronischen Hilfen mit Sprachausgabe erweist es sich als vorteilhaft, dass die Betroffenen ein Gesprächsthema eindeutig festlegen können Dieser Umstand Verringert die Abhängigkeit von den Gesprächspartnern. Es wird eine Kommunikation über die Entfernung möglich, oder ein Gespräch in Gruppen und am Telefon wird einfacher. Durch die Verwendung entsprechender gesprächssteuernder Formulierungen wie „Du hast mich falsch verstanden", „Ich habe dich nicht verstanden" oder „Ich habe eine Frage" können Gespräche gelenkt und Missverständnisse u.U. schneller korrigiert werden.

Von Nachteil sind bei computerunterstützten Kommunikationshilfen die teuren Anschaffungskosten, die möglicherweise komplizierte Bedienung, die regelmäßig notwendige technische Überwachung und die Form der Befestigung bzw. des Transports. Weiter ist im Einzelfall beim Einsatz dieser z.T. komplizierten Geräte eine umfangreiche Vorbereitungszeit zu berücksichtigen. Dies betrifft sowohl die Einarbeitung der betreuenden Person, als auch ein spezielles Training der Benutzer. Ein besonderes Problem kann entstehen, wenn der Benutzer einer elektronischen Kommunikationshilfe die Einrichtung wechselt und eine kompetente Betreuung nicht mehr gewährleistet ist

 

Quelle: Kristen, U.: Praxis Unterstütze Kommunikation. Eine Einführung. 1994

 

Wichtige Fragen bei der Auswahl

 

Bedacht Werden Sollte:

  • Ist das Gerät robust und kann vom Behinderten selbst überall mitgenommen und benutzt werden?

  • Kann der/die Benutzer/in das Gerät selbständig und ohne zu große Krananstrengung bedienen?

  • Wie ist der Service der Firma: Stellt die Firma das Gerät zu einem längeren Erprobungsversuch vor der Anschaffung zur Verfügung? Gibt es sofort ein Ersatzgerät, falls das Gerät defekt ist?

  • Übernimmt die Firma eine ausführliche Einarbeitung und weitere pädagogische und technische Begleitung?

  • Wie viel Speicherplatz ist in dem Gerät? Entspricht die Menge der möglichen Aussagen dem heutigen und auch dem zukünftigen Kommunikationsbedürfnis der Benutzerinnen?

  • Ist das Gerät flexibel, kann also den erweiterten Möglichkeiten des/der Benutzers/in laufend angepasst werden?

  • ermöglicht es Aussagen, die nicht vorher von einer anderen Person eingespeichert werden müssen?

  • Welche Codierungen sind möglich, damit sich der/die Benutzer/in leicht auch eine größere Menge von gespeicherten Aussagen und Wörtern merken und diese schnell abrufen kann?

  • Kann das Gerät an einen PC angeschlossen werden, um die Belegung des Gerätes zu sichern oder andere Belegungen auf die Kommunikationshilfe zu übertragen?

  • Kann ein Drucker angeschlossen werden, damit eingegebene Inhalte auch verschriftlicht werden können?

  • Für welchen Zeitraum ist das Gerät netzunabhängig, verliert es seine Belegung beim Entleeren der Akkus?

Quelle: IWK Delmenhorst, Klasse HEP 5

Unsere Anschaffung als Kommunikationshilfe für Sarah

der Alpha Talker

Sarah benutzt seid Herbst 2000 einen Alphatalker. Wir haben Ihn auf 8 Tasten komprimiert.

Der Alpha Talker kann in dieser Form 8 verschidene Themen benutzen. Die Tasten haben so eine Größe von 7x7 cm und sind von motorisch eingeschränkten Personen auch gut zu bedienen. 

Wir haben ein Hauptdeckblatt in dem sie sich mitteilen kann, ob sie nach draussen möchte, zur Toilette, mitspielen möchte, spielen möchte, etwas mag oder nicht mag. Des weiteren haben wir eine Taste als Mitteilungstaste belegt, die von uns zu Hause besprochen wird, was sie am Nachmittag erlebt hat, die sie dann im Stuhlkreis im Kindergarten benutzt um es zu erzählen. Der Kindergarten bespricht die selbe Taste für zu Hause, damit Sarah wenn sie nach Hause kommt, uns erzählen kann, was sie im Kindergarten erlebt hat. 

Die anderen 7 Deckblätter werden für einzelne Spielsituationen benutzt. Zum Beispiel für das Spielen mit einer Puppe. Dann kann sie mitteilen, ob die Puppe gebadet, gefüttert, angezogen etc. werden soll.Eine weitere Aktivität wäre z.B. Malen. Dort kann sie dann wählen, welche Farbe sie möchte. Für die einzelne Aktivitäten der Deckblätter sind keine Grenzen gesetzt.

 
Digi - Memo
 
Was ist ein Digi - Memo?

Digi-Memo ist eine Bezeichnung für ein digitales Aufnahmegerät, das Sprache, Geräusche oder Musik aufzeichnen kann. Es sind unterschiedliche Geräte im Einsatz, die sich in Aufzeichnungsdauer und Ausgabequalität unterscheiden. Die Aufzeichnung wird i.d.R. über einen Drucktaster abgespielt. Digi-Memos können in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden, z.B. als Hilfmittel zur Anregung von Kommunikationsprozessen.

Wie baut man ein Digi-Memo? Hier weiterlesen!

(externer Link zu www.sonderschul-net.de)

 
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