Kommunikationstafeln
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Wie sehen Kommunikationstafeln aus? Kommunikationstafeln
bestehen in der Regel aus einer festen Pappe, die mit Photos, grafischen
Symbolen, Buchstaben und/oder Wörtern beklebt ist. Häufig werden die
Tafeln mit Klarsichtfolie überzogen oder laminiert, um eine schnelle
Abnutzung zu vermeiden. Kommunikationstafeln sind leicht und daher gut
tragbar - sie können unter einer Plexiglasscheibe am Rollstuhltablett
angebracht sein, in zusammenklappbarer Form mitgenommen werden oder im
Netz oder in einer Seitentasche des Rollstuhls liegen. Bei einem großen
Vokabular und einem mobilen Benutzer werden Kommunikationstafeln aber
auch leicht zu groß und zu unhandlich, so dass es anzuraten ist,
anstelle einer Tafel ein Kommunikationsbuch anzulegen. Es empfiehlt
sich, an regelmäßig aufgesuchten Orten, wie z.B. die Toilette oder den
Raum der Krankengymnastik, Fotokopien der Kommunikationstafel an der
Wand zu befestigen, damit eine spontane Kommunikation möglich wird,
auch wenn die Tafel einmal nicht greifbar ist. Kommunikationstafeln können
allgemeine Tafeln sein, die Vokabular enthalten, das in möglichst
vielen Situationen genutzt werden kann. Darüber hinaus ist es häufig
sinnvoll, für bestimmte Situationen (z.B. Morgenkreis, Kochunterricht,
Krankenhausaufenthalt, bestimmte Spielsituationen) themenspezifische
Tafeln herzustellen. Auch heikle Themen (z.B. "Sexualität")
sollten auf Thementafeln untergebracht werden, da sie ein intimes
Vokabular enthalten, das auch von natürlichsprechende Menschen in der
Regel nicht in öffentlichen Situationen gebraucht wird. Und es gilt zu
bedenken, dass eine Kommunikationstafel, die unter einer
Plexiglasscheibe am Rolfstuhltisch angebracht ist, das Vokabular
des Benutzers/der Benutzerin für jede/n sichtbar zur Schau stellt! Falls es möglich
ist, sollte an einer Kommunikationstafel eine Kurzvorstellung des
Benutzers/der Benutzerin zusammen mit einer Handlungsanweisung für
potentielle Partner/innen angebracht werden. Der Text könnte dann zum
Beispiet so lauten: "Hallo, ich heiße ***. Ich kann nicht
sprechen, aber verstehe gut, was Du sagst. Ich spreche mit meiner
Kommunikationstafel. Ich kann nicht zeigen, daher brauche ich Deine
Hilfe. Für "ja" schaue ich auf die rechte, für
"nein" auf die linke Rollstuhllehne. Wenn ich Dir etwas sagen
möchte, schaue ich auf meine Tafel. Bitte frage mich dann zuerst, ob
sich das Symbol im roten, gelben, grünen oder blauen Bereich der Tafel
befindet. Dann frage die Reihen ab und zuletzt die einzelnen Symbole.
Wenn Du das Symbol herausgefunden hast, prüfe bitte zuerst, ob meine
Mitteilung aus noch mehr Symbolen besteht." Wie stellt
man eine Kommunikationstafel her? a.) Auswahl
des Vokabulars Ist auf der
Basis einer sorgfältigen diagnostischen Abklärung die Entscheidung für
die Herstellung einer Kommunikationstafel gefallen, so stellt sich zunächst
die Frage, welches Vokabular auf der Tafel dargestellt werden sollte. Um
das für einen bestimmten Menschen geeignete Vokabular herauszufinden, müssen
viele Informationen gesammelt werden. Soll zunächst eine Thementafel
eingesetzt werden, so muss ein Thema gewählt werden, das von großem
Interesse für den potentiellen Benutzer/die potentielle Benutzerin ist,
gewählt werden. Das Vokabular ergibt sich z.B. durch die systematische
Beobachtung der realen Situation, um die sich die Thementafel drehen
soll (z.B. Puppenspiel, Einkauf, Essen). Eine Möglichkeit, zu einer
Wortliste für eine allgemeine Tafel zu kommen, ist die Orientierung an
den verschiedenen Kommunikationsräumen, in denen sich ein Mensch aufhält
(z.B. Elternhaus, Wohnung wichtiger Freunde oder von Verwandten, Schule,
Sportverein, Therapie, Jugendgruppe ...). Innerhalb dieser Orte werden
dann Bezugspersonen gebeten, über einen längeren Zeitraum
aufzuschreiben, an welchen Aktivitäten der/die Betreffende teilnehmen
konnte bzw. welche er/sie beobachten konnte und welches Vokabular in
diesem Zusammenhang nützlich gewesen wäre. Hilfreich kann sein, für
die Auflistung des Vokabulars Kategorien vorzugeben, also z.B. eine
Einteilung nach Personen, Dingen, Aktivitäten, Orten, Eigenschaften,
Gefühlen, sozialen Floskeln o.a. Die so entstandenen Listen werden
verglichen, zusammengeführt und auf der Basis des Wissens um bestimmte
Vorlieben und Abneigungen des potentiellen Benutzers/der potentiellen
Benutzerin ergänzt. Die letzte Entscheidung über die tatsächliche
Zusammensetzung des Vokabulars trifft dann im Idealfall der/die
Betreffende selbst. Häufig bleibt dieser Entscheidungsprozeß jedoch im
Verantwortungsbereich der Fachkräfte, da der künftige Benutzer/die künftige
Benutzerin den Sinn der Vokabularsammlung noch nicht erfasst, sondern
erst durch den aktiven Umgang mit der Tafel verstehen lernt, dass dieses
Medium tatsächlich kommunikativ wirksam werden kann. Ausdrücklich warnen möchte ich davor,
die Auswahl des Vokabulars auf der Basis von Listen zu treffen, die das
"entwicklungsgemäße Vokabular von Kindern in bestimmten
Altersstufen" aufführen. Zwar können derartige Zusammenstellungen
(z.B. die 9 Stufen des Makaton-Vokabulars) sicher eine wertvolle
Orientierungshilfe sein, doch bleibt es unverzichtbar, die Inhalte zu
ermitteln, die für ein ganz bestimmtes Individuum von Bedeutung sind,
denn das "entwicklungsgemäße" Vokabular von Kindern kann
sich hochgradig unterscheiden! Je nach Bedürfnissen und Fähigkeiten
des Benutzers/der Benutzerin fällt die Größe und die Komplexität der
ersten Tafel sehr unterschiedlich aus. Möglicherweise handelt es sich
um eine reine Personentafel mit 4-6 Fotos von wichtige Menschen,
vielleicht bietet die Tafel eine Auswahl von einige attraktiven
Spielaktivitäten oder Nahrungsmittel, vielleicht umfasst sie aber auch
eine große Anzahl von Abbildungen aus verschiedenen Bereichen. Wenn es
die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten des Benutzers/der
Benutzerin erlauben, sollte auch kommunikationssteuerndes Vokabular
(z.B. "ich bin noch nicht fertig", "falsch
verstanden", "fast richtig", "bitte frage
weiter") und Strategie-Vokabular (z.B. "so ähnlich wie",
"Gegenteil von", 'Teil von") eingeführt werden, um die
kommunikative Effektivität einer Tafel zu erhöhen. Bei der Auswahl des Vokabulars sollte
darüber hinaus auch daran gedacht werden, dass soziale Floskeln
("Na, wie geht's?, "Entschuldigung!",
"Gesundheit!", "Herzlichen Glückwunsch!"), ebenso
wie Schimpfwörter oder Kraftausdrücke kommunikativ von sehr großer
Bedeutung sind! b.) Repräsentation
des Vokabulars Außer durch Fotos (selbst fotografiert
oder aus Reklameblättern und Zeitschriften) wird das Vokabular auf
Kommunikationstafeln in der Regel durch grafische Symbole repräsentiert.
Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Symbolsammlungen (z.B. PCS, Aladin,
Lob, Touch'n Talk), die die Zusammenstellung einer Tafel auch für
zeichnerisch unbegabte Fachkräfte erleichtern. Bei einige Sammlungen
liegen die Symbole in verschiedenen Größen vor, andere Symbole müssen
noch vergrößert oder verkleinert werden, um sie den visuellen Fähigkeiten
des Benutzers/der Benutzerin anzupassen. Das komplexeste System mit
grafischen Symbolen ist das Bliss-System, das grammatikalische
Strukturen und Kombinationsregeln besitzt. Übersichten über grafische
Symbole finden sich u.a. bei Pranzkowiak (1994) und Kristen(1994). Eine Tafel
kann auch aus Buchstaben, Wörtern und/oder Phrasen bestehen oder aber
um diese Elemente ergänzt sein, falls ein Benutzer/eine Benutzerin nur
einige Wörter buchstabieren bzw. nur einige Ganzwörter und Phrasen
erlesen kann. Außerordentlich hilfreich für die
Herstellung einer Tafel sind Computerprogramme, die eine Symbolsammlung
enthalten und erlauben, Tafeln am Bildschirm zu entwerfen und
auszudrucken. Neben verschiedenen Bliss-Programmen ist in diesem
Zusammenhang die Software zu den Aladin-Symbolen und der Boardmaker mit
den PCS-Symbolen zu nennen. c.) Organisation des Vokabulars Das Vokabular
einer Tafel wird häufig nach dem Fitzgerald-Schlüssel organisiert,
d.h. die Anordnung der Symbole richtet sich nach der Struktur eines
Aussagesatzes (Subjekte, Verben, Eigenschaften/Gefühle, Objekte). Um
eine Orientierung zu erleichtern, werden die einzelnen Kategorien in er
Regel farbig kodiert, also entweder farbig umrandet oder mit farbigem
Papier unterlegt. Farbkodierungen sind auch hilfreich bei der Methode
des Partnerscannings (s.o.). Die
Organisation des Vokabulars kann aber auch von anderen Kriterien
bestimmt sein, z.B. von den motorischen oder visuellen Fähigkeiten
eines Benutzers/einer Benutzerin. So ist es unter Umständen sinnvoll,
die wichtigsten Vokabeln in dem Bereich der Tafel unterzubringen, der
motorisch oder visuell am einfachsten zu erreichen ist. Wie schon die
Auswahl des Vokabulars erfolgt somit auch die Anordnung nach
individuellen Gesichtspunkten. d.)
Dokumentation und Aktualisierung Quelle: Ausschnitte aus Braun, U.:Kleine Einführung in den Einsatz von Kommunikationstafelen. |
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